April Challenge (Tag 6): Der erste Satz

Die Tagesaufgabe der Aprilchallenge von Kate Stark besteht heute darin, den ersten Satz des laufenden Projekts vorzustellen. Hiermit präsentiere ich also – Tusch und Trommelwirbel – den ersten Satz meines Krimis:

An manchen Tagen bereute Simone Weill, sich nach dem Tod ihres Mannes einen Hund und keine Katze angeschafft zu haben.

Vielleicht nicht der beste Satz der Literaturgeschichte, aber 1.000 Mal besser, als das, was ich ursprünglich geschrieben hatte. In der ersten Version stand da nämlich:

An Tagen wie diesen genoss Simone Weill die morgendliche Hunderunde.

Schön für sie, oder? Aber merkt ihr den Unterschied?

Am auffälligsten ist natürlich, dass die überarbeitete Version mehr Informationen über Simone Weill liefert. In der ersten Version erfährt man nur den Namen, und dass sie einen Hund hat. Jetzt, dass sie verwitwet ist (vermutlich also schon etwas älter), Tiere im Allgemeinen mag (sonst wäre eine Katze keine Alternative gewesen) und sich vermutlich einsam fühlt (sie hat den Hund nach dem Tod ihres Mannes angeschafft). Dieser letzte Punkt, die Einsamkeit, deutet auch einen latenten Konflikt an.

Der eigentliche Grund, warum ich den Satz deutlich besser finde, ist trotzdem ein anderer. Der ursprüngliche Satz mag schön und kompakt sein, aber er klatscht auch wie ein Monolit auf und bleibt liegen. Sie genießt. Punkt. Bei einem Krimi ahnt man natürlich, dass es so nicht weitergehen kann, aber im Moment ist alles gut und da man die Frau auch nicht näher kennt, kann man das Buch beruhigt schließen. Will ich das?
Nein!
Natürlich will ich, dass der Leser auch den nächsten Satz liest. Und den übernächsten. Und so weiter, bis das Buch durch ist. Also muss ich ihm einen Grund liefern. Und ich glaube, dass der neue Eröffnungssatz diesen Grund liefert, indem er implizit eine Frage aufwirft: „Warum bereut sie es?“
Das ist zwar nichts weltbewegendes, aber es weckt Neugier (hoffentlich). Mir geht es zumindest so, dass ich offene Fragen nur schwer im Raum stehen lassen kann. Sie erzeugen eine gewisse Art von Spannung, die sich erst durch die Beantwortung löst. In diesem Fall ist die Antwort – soviel kann ich verraten, ohne den Buchinhalt zu spoilern – für die Handlung zwar vollkommen nebensächlich, aber allein die Frage baut hoffentlich genug Spannung auf, um zum Weiterlesen zu verführen.

Was meint ihr? Liege ich mit der Einschätzung richtig?

 

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2 Kommentare

  1. Ich finde, dass der neue Satz nicht nur gelunger ist, weil er den Wunsch weckt, mehr zu erfahren. Durch die Erwähnung, dass sie aus irgendeinem Grund lieber eine Katze statt eines Hundes haben möchte, wird gleich die erste Prägung beim Leser vorgenommen, wie sympathisch er Simone Weill findet. Und wie traurig er ist, falls sie demnächst das Mordopfer werden sollte. Katzen oder Hunde ist für manche ja eine Grundsatzfrage.

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    1. Ich musste ein bisschen über Deinen Kommentar nachdenken, deshalb antworte ich erst jetzt. Aber Du hast natürlich recht: Dass sie ihre Entscheidung manchmal bereut, sagt ebenso etwas über sie aus, wie die getroffene Wahl. Und, wie Du sehr richtig bemerkst, lässt sich mit der Frage „Hund oder Katze?“ eine herrliche Grundsatzdiskussion vom Zaun brechen.
      Ich hoffe nur, dass Simone Weills Entscheidung für einen Hund die Katzenfraktion nicht verschreckt und ihr gelegentlicher Wunsch nach einer Katze nicht die Hundeliebhaber. Nicht, dass am Ende beide nicht mehr weiterlesen. 😉

      Gefällt 1 Person

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