Asservatenkammer

Hier sammeln sich Fundstücke rund um Krimis, Thriller, Strafe und Verbrechen

Gefährliche Reiseorte: der Giftgarten von Alnwick Castle

Ob auf den Spuren von Jack the Ripper oder auf denen von Ms. Marple – für Krimifans ist England ein sehr lohnendes Reiseziel. Aber es gibt eine weitere, verstecktere Attraktion, die ebenfalls very british ist: einen Garten.

England ist bekannt für seine Landschaftsgärten. Viele davon gehören zu großen Landsitzen und viele sind für Touristen zugänglich. Einer ist etwas besonderes: der Giftgarten von Alnwick.

Als Jane Percy 1995 Baronin von Northumberland wurde, übernahmen sie und ihre Familie auch den Stammsitz der Barone von Northumberland, Alnwick Castle (das Hogwarts aus den ersten zwei Harry Potter Filmen). Ihr Mann bat sie damals, „etwas mit den Gärten“ zu machen, die zu dieser Zeit als Baumschule dienten und hauptsächlich aus Reihen von Weihnachtsbäumen bestanden.

Aber Jane Percy wollte mehr, als die üblichen Blumenrabatten. Alnwick Garden sollte etwas besonderes werden. Zuerst überlegte sie an einem Apothekergarten, aber nach einem Besuch des berüchtigten Medici Gartens kam ihr ein anderer Gedanke: Ein Giftgarten. Und so entstand inmitten einer barocken Gartenanlage mit gestutzen Hecken, prächtigen Rosen und Wasserspielen ein düsterer Gegenentwurf.
Hinter schwarzen, mit Totenschädeln verzierten Toren  erstreckt sich der Teil, in dem es strikt verboten ist, an irgendetwas zu riechen, es anzufassen oder gar zu probieren, denn jede der hundert Pflanzen, die hier wachsen, ist giftig. Bei der Auswahl orientierte sich Jane Percy aber nicht nur an der Gefährlichkeit, sondern auch daran, ob sich zu der Pflanze eine gute Geschichte erzählen lässt. „Das ist es, was Kinder interessiert“, sagt sie. „Kinder interessieren sich nicht dafür, ob Aspirin aus Pflanzenrinde gewonnen wird. Wirklich interessant ist, wie die Pflanze töten, wie man daran stirbt und was man fühlt, bevor man stirbt.“

Ein Garten, in dem man nicht zu tief einatmen sollte … Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber ich finde diesen Garten inspirierend. Schade, dass mir in diesem Jahr die Zeit für eine Englandreise fehlt.
Vielleicht im nächsten. Sehen wir uns dort?


Mehr Infos:
Selbstdarstellung des Alnwick Garden
Reisebericht aus dem Smithsonian Magazin (englisch)
Wikipedia (englisch)

Bildnachweis: Das Beitragsbild ist der englischen Wikimedia entnommen und steht unter Creative Commons Lizenz, das Original stammt von Steve F, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=13596108

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Hörempfehlung: Kommissar Maigret auf Bayern2

Statt eines Lesetipps gibt es heute eine Hörempfehlung: Der Bayerische Rundfunk hat auf Bayern2 einen kleinen aber feinen Beitrag über Georges Simenon und seinen Kommissar Maigret gesendet – und anschließend in die Mediathek gestellt.

Klicken, zurücklehnen, anhören. 20 Minuten, die sich lohnen.

Ausflugstipp: Polizeimuseum Hamburg

modernes Einsatzfahrzeug der PolizeiNicht nur für Kriminalschriftsteller ist das erst vor zwei Jahren eröffnete Museum ist ein heißer Tipp. Auch wenn das Wetter mal wieder so hanseatisch ist, dass man es draußen allenfalls mit Friesennerz, Südwester und Gummistiefeln aushält, man seine nörgelnden Blagen irgenwie beschäftigen muss oder auch, weil man einfach mal was anderes unternehmen will, als das obligatorische Touristenprogramm ist das Polizeimuseum Hamburg sehr empfehlenswert.

Das Museum hat insgesamt ungefähr 1.400m² Ausstellungsfläche, verteilt auf 3 Stockwerke.
Im Erdgeschoss kann man sich einen Überblick über die Geschichte der (Hamburger) Polizei vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis in die heutige Zeit verschaffen. Dabei wird die Rolle der Polizei im Dritten Reich weder verschwiegen, noch verharmlost. Kinder sind allerdings eher von der nachgebauten Wache aus den 60ern und der daran angeschlossenen Zelle begeistert. Sich darin einschließen zu lassen, verschafft ein sehr authentisch klaustrophobisches Erlebnis.
Das eigentliche Highlight ist aber (jedenfalls für Besuche mit Kindern), der zweite Stock. Dort kann man nicht nur Einsätze im Streifenwagen- und Hubschraubersimulator mitmachen, sondern bekommt auch einen Einblick über die Kriminaltechnik und kann sich im Erstellen von Phantombildern üben. Das Schöne dabei: Alles ist interaktiv, d. h. die Exponate liegen nicht einfach nur rum, sondern man wird überall zum Mitmachen und Mitdenken aufgefordert. Wenn man irgendwo nicht weiter kommt, ist das Personal gerne bereit, zu helfen. Aber Achtung: Man quatscht sich schnell fest! Viele der „Aufseher“ sind pensionierte Polizeibeamte, die sehr gerne von ihren Erfahrungen erzählen.
Der dritte Stock ist Besuchern über 18 Jahre vorbehalten und spektakulären Kriminalfällen gewidmet. Da wir mit Kindern dort waren, sind wir nicht hochgegangen. Allerdings kenne ich die Exponate vermutlich noch aus der Zeit, als sie noch Teil der polizeilichen Lehrmittelsammlung waren. Die Überschriften jedenfalls sind mir sehr gegenwärtig – und die Bilder von damals sind nicht hübsch. Ohne Kinder wäre ich vermutlich trotzdem hochgegangen, schon um mich zu vergewissern. Aber auch so hatte ich nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben.


Polizeimuseum Hamburg, Carl-Cohn-Str. 39, 22297 Hamburg
Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 11:00 Uhr – 17:00 Uhr sowie Sonntag von 11:00 Uhr – 17:00 Uhr. An Feiertagen sowie am 24.12. und 31.12. geschlossen.
Eintritt: Normalpreis 8,- €, reduziert 6,- €