1. Entwurf

April Challenge: Woran ich arbeite

Heute beginnt die von Kate Stark ins Leben gerufene #aprilcampwritingchallenge, die ich im letzten Beitrag ja schon kurz vorgestellt hatte. Die erste Aufgabe lautet: Your WIP, besteht also darin, das aktuelle Projekt vorzustellen.

Bei mir ist das ein Krimi über Antikenhehlerei, den ich letztes Jahr um Pfingsten rum beendet habe und der jetzt dementsprechend gut abgehangen ist. Das Manuskript besteht aktuell aus 279 Seiten und muss von Grund auf überarbeitet werden. Beim Korrekturlesen habe ich mir notiert, dass folgende Änderungen unbedingt notwendig sind:

  • Zwei neue Erzählperspektiven einführen, so dass die Geschichte aus drei, wie bisher aus einer Perspektive erzählt wird und alle drei Ermittler zu Wort kommen.
  • Eine Nebenhandlung streichen, die weder für den Plot, noch zum Verständnis der Protagonisten erforderlich ist.
  • Das Verhalten der Ermittler schlüssiger gestalten. Bisher agieren die oft noch sehr wechselhaft und daher wenig nachvollziehbar.
  • Die Ermittler sollen mehr Privatleben bekommen. Das gilt insbesondere, für meinen Hauptcharakter, Kriminalanwärterin Jana Hirte.
  • Die Handlung zwei Wochen vorverlegen, damit der Beginn der Handlung zu Janas Studiumszeiten passt.
  • Die einzelnen Szenen neu gewichten und in eine andere Reihenfolge bringen. Beim Plotten hatte ich zwar eine sehr genaue Vorstellung davon, warum was in welcher Reihenfolge passiert – diese Logik erschließt sich beim Lesen aber nicht.
  • Nicht zuletzt sind natürlich sind auch ein paar Plotlöcher aufgetaucht, die ausgefüllt werden müssen. Und wie das dann so ist, hat das Ausfüllen Auswirkungen auf den Rest der Handlung, so dass auch dadurch noch ein paar Sachen glattgezogen werden müssen.

Tja, ist eine Menge Arbeit. Aber in gewisser Weise freue ich mich drauf.

 

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Überarbeiten ja, aber wie?

Das Überarbeiten von Texten ist ein Dauerthema für jeden, der sich ernsthaft mit dem Schreiben beschäftigt und entsprechend viele Anleitungen dazu gibt es. Dabei scheint weitgehende Einigkeit zu bestehen, dass man einen Text vor allem kürzen muss, damit er gut wird. Dem möchte ich im Folgenden ein bisschen widersprechen:

Eine Geschichte ist kein englischer Rasen, bei dem man allen Wildwuchs ausmerzen und alle Grashalme auf die gleiche Länge trimmen muss, damit er gut aussieht. Eher ist sie ein englischer Park, mit alten Bäumen, gewundenen Wegen und vielleicht einem versteckten See – um bei den gärtnerischen Vergleichen zu bleiben. Das Idealbild eines solchen Parks ist, dass alles ganz natürlich wirkt. Dabei beruht er auf genauer Planung. Jeder Weg, jede Blickachse ist vorab geplant, Bäume sind gezielt gepflanzt oder gerodet worden, der See vermutlich eigens ausgehoben und die malerische Ruine war nie intakt, sondern wurde bereits als Ruine gebaut.
Was der Landschaftsarchitekt bei der Anlage jedoch berücksichtigt, sind die natürlichen Gegebenheiten. Er sieht sich vorher um, macht sich mit dem Gelände vertraut, überlegt, welche Landschaftsmarken erhalten und betont werden sollten, wo etwas weggenommen und wo hinzugefügt werden muss.

Ähnlich sollte man meines Erachtens auch beim Überarbeiten von Manuskripten vorgehen. Also das Ding erst Mal lesen und sich Gedanken machen, was die Kernaussagen sind, wo die Handlung ins Klischee abgleitet und ob es irgendwelche Plotlöcher oder Brüche gibt, bevor man irgendetwas ändert. Danach macht man sich an die Planung zu konkreten Änderungen.
Auch wenn man kein Freund des Plottens ist, ist es spätestens jetzt sinnvoll, sich Notizen zu den einzelnen Szenen, den darin vorkommenden Personen und Orten zu machen und diese mit einem Zeitstrahl zu verbinden. Gerade bei komplexen Handlungen vermeidet man dadurch, dass eine Person, die eben noch in Stuttgart war, plötzlich in Detroit auftaucht, oder dass ein Nebencharakter mehr (oder wichtigere) Handlungsanteile hat, als der Protagonist.

Bei mir ergibt dieser Bearbeitungsschritt in der Regel nicht, dass gekürzt werden muss, sondern die Kernaussagen durch Handlung und/oder Beschreibung verstärkt werden müssen. Ich schreibe sehr gedrängt. Ausufernde Beschreibungen und Charakterisierungen sind nicht mein Ding, so dass der erste Entwurf oft noch skizzenhaft wirkt. Da heißt es dann nicht kürzen, sondern auffüllen. Das Gleiche gilt natürlich für Plotlöcher. Auch die werden nur durch Zufügungen kleiner.
Wenn das getan ist, lasse ich das Manuskript wieder für ein paar Wochen liegen und lese es ein zweites Mal auf Stimmigkeit. Den Prozess wiederhole ich so lange, bis ich im Wesentlichen zufrieden bin. Erst dann geht es an Details, wie das Kürzen von Bandwurmsätzen und das Ausrotten nichtssagender Adjektive.

Schreibtipp: Vergiss Schreibtipps, wenn du schreibst!

Zugegeben: Das klingt erst mal widersinnig. Es wird aber logisch, wenn man die Abschnitte des Schreibprozesses betrachtet.

  1. Zunächst mal braucht man eine Idee. Es folgen Recherche und weitere Beschäftigung mit dem Thema, bis man die Idee entweder verwirft oder für brauchbar erklärt.
  2. Plotter legen jetzt einen Zwischenschritt für die Planung ein, Pantser gehen gleich zum Punkt 3 über.
  3. Das eigentliche Schreiben. Angefangen beim ersten Wort bis hin zum Ende.
  4. Die Rohfassung wird überarbeitet.
  5. – wievielauchimmer sind weitere Überarbeitungen.

Schreibtipps nutzen bei den Punkten 2, 4, 5 usw. Für Plotter ist es natürlich sinnvoll, nach Dreiaktmodell, 7 – Punkte-Methode, 8er Bogenmodell, Heldenreise oder was auch immer einem am meisten liegt, zu planen, Plot- und Wendepunkte festzulegen, Spannungsbögen aufzubauen, Charaktereigenschaften festzulegen und, und, und.
Genauso ist es auch beim Überarbeiten. Natürlich sollte man da darauf achten, ob der 1. Wendepunkt etwa bei einem Drittel liegt, ob die Charaktere sich so verhalten, wie sie sollen, ob Dialoge natürlich wirken und ob sich der Text mit Adjektivitis infiziert hat.

Aber bei Punkt 3, beim Schreiben selbst darf man das alles getrost vergessen. Alles, was beim Schreiben zählt, ist das Schreiben auf das Ziel zu. Erst, wenn man das erreicht hat, darf man sich wieder an die ganzen Tipps und Regeln erinnern.
Das ist gemeint, wenn manchmal empfohlen wird, den inneren Lektor beim Schreiben wegzusperren.

Und noch ein Tipp: Gönnt euch einen Prosecco, einen Whisky oder was auch immer euer Lieblingsgetränk für besondere Anlässe ist und gratuliert euch selber zum Erfolg. Eine Geschichte, besonders einen Roman zuende zu schreiben, ist nämlich eine wirkliche Leistung!

P.S.: Diesen Schreibtipp solltest Du natürlich nicht vergessen.

Was Überarbeiten mit Schnapsbrennerei zu tun hat

In den meisten Schreibratgebern steht sinngemäß, dass der erste Entwurf eines Manuskripts generell Mist sei und die wahre Kunst im richtigen Überarbeiten bestehe.

Dem kann ich so nicht zustimmen.

Wenn ich meine Texte durchlese, stelle ich fest, dass vor allem der Anfang und das Ende einer Szene Probleme bereiten, während der Mittelteil abgesehen von ein paar Schwächen meist ganz ok ist.
Und das bringt mich zum Schnapsbrennen. Beim Destillieren gilt nämlich etwas ganz Ähnliches: Der Vorlauf ist vollkommen ungenießbar und der Nachlauf überwiegend bäh, daher werden beide weggeschüttet. Weiterverarbeitet wird nur das hochwertige Herzstück.
So kann man auch beim Überarbeiten von Texten vorgehen.

Ich spreche hier übrigens ganz bewusst vom Überarbeiten. Beim Entwerfen und Schreiben sind solche Beschränkungen eher hinderlich. Da fallen mir eher Parallelen zu Aufwärmübungen beim Sport ein. Aber das ist schon wieder ein anderes Thema.