Autorenleben

April Challenge (Tag 25): Brief an ein jüngeres Ich

Meine Liebe,

du hast gerade dein Examen hinter dir und noch keine Ahnung, was nun. Natürlich könnte ich dir jetzt sagen, wie dein Leben weiter geht und was in den nächsten Jahren auf dich zukommt. Aber ob das weise wäre? Ich glaube nicht.
Du denkst vermutlich, dass das ziemlich fies von mir ist. Dass es gut wäre, zu wissen, wo du scheitern und welche Fehler du machen wirst, weil du sie dann vermeiden könntest. Mit dem Vermeidenkönnen hast du vermutlich recht, aber wer sagt denn, dass die Alternative besser gewesen wäre? Wenn ich eins gelernt habe, dann dass es kein Rezept für Erfolg und immerwährendes Glück gibt, sondern nur verschiedene Wege in Schwierigkeiten zu geraten. Außerdem ist es ja nicht so, dass ich Dinge wider besseres Wissen falsch gemacht habe. Im Gegenteil: So irrwitzig und hirnrissig manche Aktionen im Nachhinein erscheinen – Moment des Handelns war ich fast immer überzeugt, das Richtige zu tun. Die meisten würde ich heute vermutlich sogar wiederholen. Trotzdem haben die Fehler, die ich gemacht habe, mich mehr deutlich geprägt, als meine Erfolge. Vor allem durch meine Fehler bin ich zu dem geworden, was ich bin und meistens bin ich damit sogar glücklich.
Das ist natürlich alles sehr vage, aber ich will dich weder festlegen, noch dir Angst machen. Deshalb kann ich dir nur so viel sagen: Du wirst zwar nicht alles erreichen, was dir jetzt wichtig ist, aber du wirst neue Prioritäten setzen und Wege beschreiten, von denen du jetzt nicht einmal träumst. Bleib neugierig. Es lohnt sich.

In Liebe
dein olles Ich

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April Challenge: Warum ich schreibe

Klingt es arrogant, wenn ich sage: „Weil ich es kann und hoffe, damit irgendwann Geld zu verdienen“?
Egal, es stimmt. Es stimmt sogar in doppelter Hinsicht. Tatsächlich ist Schreiben eine der Tätigkeiten, die in meiner Situation drin sind. Meinen Beruf werde ich aus familiären Gründen nicht mehr ausüben können. Aus dem gleichen Grund kann ich auch nirgendwo als Angestellte arbeiten. Aber als Schriftstellerin hätte ich die Flexibilität, die ich brauche.
Das nötige Talent ist mir schon mehrfach bescheinigt worden. Nicht von der Familie, die frage ich bei sowas gar nicht erst, sondern von Leuten, wie Titus Müller oder André Hille, die was davon verstehen sollten und die kein Interesse haben, mir zu schmeicheln.

Andererseits kommt die Antwort: „Weil es Spaß macht“ vielleicht sympathischer rüber und wäre genauso richtig. Geschichten zu erfinden, heißt immer auch ein bisschen Gott zu spielen. Und Hand auf’s Herz: Wer malt sich die Welt nicht gelegentlich bunter und aufregender, als sie tatsächlich ist. In meinen Geschichten kann ich die Guten belohnen und die Bösen bestrafen, wenn mir danach ist. Ich kann Orte betreten, die mir in der Realität verschlossen sind und sogar Zeit und Raum manipulieren.
Ja, es ist anstrengend, aus diesen Phantasien eine gute Geschichte zu destillieren und die dann auch noch gut zu erzählen. Aber der Aufwand lohnt!

Wie wäre es mit einem Serientäter?

In meinem nächsten Roman werden sich meine Kommissare wohl mit einem Serientäter beschäftigen müssen. Die Idee dazu kam mir vorhin beim Zähne putzen – fragt mich bitte nicht, warum ausgerechnet dabei. Mit Zähnen, fiesen Zahnärzten oder Problemen der Mundhygiene wird die Geschichte so weit ich bisher sehen kann, jedenfalls nichts zu tun haben.

Genau genommen habe ich bisher auch nur eine Idee vom Anfangssetting und einen Grund, dass KK Jana Hirte, die im Betrugsdezernat arbeitet und mit Leichen absolut nichts zu tun haben will, sich nun schon wieder in eine Mordermittlung hineinziehen lässt.

Habe meinen Rechner wieder!

Mein Laptop ist wieder da und den Technikern von Renote ist gelungen, wozu Microsoft sich nicht in der Lage gesehen hat: Sie haben das Meiste der Daten gerettet.

Zu behaupten, mir würden gerade ganze Gebirgszüge von der Seele fallen, ist zwar ein abgedroschenes Klischee, beschreibt meinen Gefühlszugang aber trotzdem sehr treffend. Vor Euphorie schützt nur der Gedanke, dass mich dieses kostenlose Update auf Windows 10 massiv Nerven, Zeit und Geld gekostet hat.

Ab jetzt sichere ich nicht nur einzelne Dateien, sondern mache regelmäßige Backups von allem.

Wozu noch ein Schreibblog?

Gerade sitze ich da und frage mich mal wieder, warum ich das hier eigentlich mache. Schreibblogs gibt es zu Dutzenden – muss ich dann unbedingt auch noch einen haben? Könnte ich meine Zeit nicht besser nutzen, um meine Bücher zu schreiben, den Hund zu beschmusen, die Wohnung aufzuräumen oder irgendetwas anderes Sinnvolles, Schönes oder auch sinnfrei Verrücktes zu tun?

Und worüber soll ich schreiben? Über Kreativtechniken, das Schreiben an sich und die Bücher, die ich gelesen habe? Oder darüber, wie ich zu meinen Büchern komme, wo ich Ideen finde, wie sich (m)ein Buch entwickelt? Interessiert das jemanden außer mir?

Mal sehen. Erstmal weiter machen und dem Ganzen eine Chance geben. Vielleicht kommt von allem etwas. Vielleicht zeichnet sich irgendwann eine Linie ab. Eventuell sogar eine klare. Man wird sehen.