Blut

Mord verjährt nicht

Im letzten Beitrag hatte ich schon davon erzählt, dass mir eine Kurzgeschichte im Hirn herumspukt, für die ich eigentlich keine Zeit habe. Nun, offenbar will das Universum, mein Karma oder was auch immer, dass ich diese Geschichte schreibe, denn seit ein paar Tagen habe ich eine extrem fiese Erkältung mit allem, was dazu gehört. Ohne in die Einzelheiten zu gehen: So richtig konzentrieren kann ich mich damit nicht. Jedenfalls nicht genug, um die notwendigen Arbeiten an „Bodenfund“ (oder wie auch immer der erste Roman am Ende heißen wird) abzuschließen.

Aber um schlecht zu schreiben, reicht es gerade noch. Und wenn man sich etwas schlecht geschriebenes zum Ziel setzt, schreibt es sich sehr ungeniert. Also schreibe ich jetzt am Entwurf einer Kurzgeschichte, die in Friedensbachs Kindheit spielt und die ganz gut erklärt, warum er kein Blut sehen kann. Kein klassischer Krimi, aber ich hoffe, dass sie nicht nur als Hintergrundstory etwas taugt.

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Der Kommissar, der kein Blut sehen kann

In den letzten zwei Tagen hat auch KHK Thomas Friedensbach einen familiären Hintergrund bekommen. Keinen schönen. Ich hätte jemandem wie ihm wirklich besseres gegönnt, aber jetzt ist mir auch klar, warum er ausgerechnet im Morddezernat arbeitet (und da auch nicht weg will), obwohl er kein Blut sehen kann und warum er ständig alles hinterfragt.

Außerdem spukt jetzt eine Kurzgeschichte in meinem Hirn. Wenn die nicht bald Ruhe gibt, werde ich die wohl auch schreiben müssen, obwohl ich eigentlich gar keine Zeit dafür habe und mich um ganz andere Dinge kümmern sollte.

April Challenge (Tag 16) Lieblingsgenre

Mein Lieblingsgenre ist – wer hätte das gedacht – ganz klar der Krimi. Ich lese zwar auch gern fremd und nehme durchaus nicht nur Krimis mit ins Bett, aber 2 von 3 Büchern, die ich lese, sind Krimis.
Bei Fernsehserien gilt das Gleiche: Elementary, Bones, Monk, NCIS, CSI, Forever, Mentalist, Castle, Profiling Paris – alles …

Genau.

Und fast nur amerikanischer Kram. Routiniert erzählte Geschichten, leicht skurrile Typen. Unterhaltung ohne Anspruch auf Tiefgang.
Bei Büchern darf’s dafür auch durchaus mehr sein, wobei ich mit mehr nicht unbedingt mehr Blut oder mehr abgetrennte Körperteile meine. Detaillierte Beschreibungen abgetrennter Körperteile oder besonders grausiger Tatorte langweilen mich, wenn sie keine Bedeutung für den Fortgang der Geschichte haben*. Ich will wissen, warum etwas passiert (ist). Was hat ein Geschehen in Gang gesetzt, was hält es am Laufen? Und wie geht es weiter? Welche Schlussfolgerungen ergeben sich aus …?
Gerade dieses Miträtseln finde ich spannend und wehe dem Autor, der mich da enttäuscht! Denn dass es eine Lösung gibt, die am Ende präsentiert wird, gehört ja zu den Konventionen des Genres.

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*In dem Zusammenhang passt der Hinweis auf meine (leider eingestellte) deutsche Lieblingsserie „Schwarz-Rot-Gold“ dann doch noch, weil es da „nur“ um Wirtschaftskriminalität, genauer gesagt, um Zollvergehen ging, nie Blut geflossen ist – und sie trotzdem saugut war.

Werkstattberichte: Mein Ermittlerteam

Wie man aus den anderen Einträgen herauslesen kann, schicke ich in meinen Krimis ein Ermittlerteam ins Rennen. Alles andere wäre unrealistisch, selbst nach den Maßstäben des Romans (Zum Thema Realismus im Krimi mehr hier). Einsame Bullen, wie Friedrich Anis Hauptfigur Tabor Süden sind nur glaubhaft, wenn sie (wie Süden) außerhalb ihrer eigentlichen Kompetenzbereiche agieren oder (wie Maigret) einer vergangenen Epoche angehören. Moderne Polizeiarbeit heißt Arbeit im Team.
Mein Team hat sich auf etwas unorthodoxe Weise gebildet, d.h. ich habe nicht mit dem klugen Kommissar angefangen und ihm gendergerecht eine jungdynamische Kollegin an die Seite gestellt. Meine erste Figur war Kriminalkommissaranwärterin Jana Hirte. Eine Berufsanfängerin oder, besser gesagt: jemand, der noch nicht mal sein Studium abgeschlossen hat. Jana ist zu Beginn im dritten Studienjahr und macht ihr Fachpraktikum bei der Mordkommission Frankfurt. Das Problem ist: Eigentlich hat Jana mit Gewaltverbrechen gar nichts am Hut. Morde, Leichen, Blut usw. findet sie einfach nur brutal und widerwärtig. Ihre wahre Leidenschaft gilt Zahlen und Computern und sie würde viel lieber Wirtschaftskriminelle jagen, als Kapitalverbrecher. Abgesehen davon ist Jana als LARPerin und in einem online Rollenspiel unterwegs, weil die ursprüngliche Idee war, sie auf einer Con ermitteln zu lassen. Aber dann kam alles ganz anders. Die Con wird aber noch kommen.
Den Kommissar gibt es aber trotzdem. Er heißt Thomas Friedensbach, ist 58 Jahre alt und hat Diabetis, von der aber keiner wissen darf, weil er fürchtet, deshalb vorzeitig pensioniert zu werden. Ich gestehe, zu seinem persönlichen Hintergrund wenig zu wissen, außer dass er mit einem Waldkater namens Mortimer zusammenlebt und historische Landkarten sammelt, über denen er von fernen Orten und vergangenen Zeiten träumt. Aber er verreist nie. Seiner Kleidung, seiner Ausdrucksweise und seinem Wohnumfeld nach, stammt er aus begüterten Verhältnissen, aber genaueres ist nicht herauszubekommen. Vielleicht versteckt sich da noch eine Geschichte und vielleicht hat sie damit zu tun, dass er kein Blut sehen kann.
Die Besichtigung des unmittelbaren Tatorts bleibt deshalb auch meist an seiner Kollegin Alexandra Obritz hängen. Also doch Klischee? Ja und nein. Ja, insoweit, als der Kommissar eine jüngere, ihm untergeordnete Kollegin hat. Nein, weil ich nicht glaube, dass Alex mit ihren 184 cm und ihrer Liebe zu Motorrädern, Lackleder, Nieten und der Farbe rot ein Klischee ist (Jana jedenfalls hat sie bei ihrer ersten Begegnung prompt für die Inhaberin eines Dominastudios gehalten). Über ihr Privatleben weiß ich eine ganze Menge – aber das zu verraten, hieße ein Stück weit den Inhalt des ersten Bands zu spoilern.
Was ich aber verraten kann ist, dass sie und Friedensbach trotz ihres sehr unterschiedlichen Äußeren (das auch die sehr unterschiedlichen Temperamente spiegelt) erstaunlich gut miteinander klar kommen, während Jana sich erst noch beweisen muss.

Natürlich gibt es daneben auch zahlreiche Neben- und Randfiguren. Techniker, Spezialisten, Gerichtsmediziner, uniformierte Beamte, Kollegen von der Kripo, Freunde, Familienangehörige usw. Aber die alle vorzustellen würde einfach zu weit führen.

persönliche Bekenntnisse 1

Irgendwo las ich, Autoren sollten in ihren Blogs auch persönliche Dinge verraten. Deshalb gibt es heute ein persönliches Bekenntnis:

Krimis, deren Realismus darin besteht, den Tod des Opfers in epischer Breite zu beschreiben, langweilen mich. Das Gleiche gilt für die ins Detail gehende Beschreibungen abgerissener Gliedmaßen, Innereien oder verbranntem, vertrockneten oder im Zerfall begriffenen Körpern. Ist nicht schön und wenn der Autor gut ist, ekele ich mich sogar. Aber im Wesentlichen langweile ich mich. Außerdem kann ich genauso gut bei Google nach Bildern von Brand- oder Wasserleichen suchen oder den Pschyrembel durchblättern, wenn ich mich ekeln will. Da stellt sich der Effekt schneller ein. Nur: Will ich mich ekeln? Eigentlich nicht.

Was mich am Krimi reizt, sind nicht die Schockeffekte, sondern das intellektuelle Verwirrspiel aus falschen Fährten, Gerüchten und Halbwahrheiten, aus denen sich die Wahrheit nur allmählich herausschält. Ich finde Krimis aufregend, die Beziehungsgeflechte ausleuchten, in andere Zeiten entführen oder gesellschaftliche Themen aufgreifen. Die hochgelobten skandinanavischen oder amerikanischen Splatterthriller können mir im Vergleich dazu gestohlen bleiben.

Voll im Trend

Auf Twitter kursierte gerade die Meldung, dass die Hugendubel-Zentraleinkäuferin auf der Verlegerkonferenz gesagt habe, der Trend gehe zu weniger Blut im Krimi. Damit liegen meine Who-dunnits voll im Trend. Bisher bringe ich es in zwei Krimis gerade mal auf drei Leichen.
Die Geschichten leben von den Charakteren und der Frage nach Täter und Motiv. Nicht von der Menge an Blut, die zwischen den Seiten vergossen wird.