falsche Spuren

persönliche Bekenntnisse 1

Irgendwo las ich, Autoren sollten in ihren Blogs auch persönliche Dinge verraten. Deshalb gibt es heute ein persönliches Bekenntnis:

Krimis, deren Realismus darin besteht, den Tod des Opfers in epischer Breite zu beschreiben, langweilen mich. Das Gleiche gilt für die ins Detail gehende Beschreibungen abgerissener Gliedmaßen, Innereien oder verbranntem, vertrockneten oder im Zerfall begriffenen Körpern. Ist nicht schön und wenn der Autor gut ist, ekele ich mich sogar. Aber im Wesentlichen langweile ich mich. Außerdem kann ich genauso gut bei Google nach Bildern von Brand- oder Wasserleichen suchen oder den Pschyrembel durchblättern, wenn ich mich ekeln will. Da stellt sich der Effekt schneller ein. Nur: Will ich mich ekeln? Eigentlich nicht.

Was mich am Krimi reizt, sind nicht die Schockeffekte, sondern das intellektuelle Verwirrspiel aus falschen Fährten, Gerüchten und Halbwahrheiten, aus denen sich die Wahrheit nur allmählich herausschält. Ich finde Krimis aufregend, die Beziehungsgeflechte ausleuchten, in andere Zeiten entführen oder gesellschaftliche Themen aufgreifen. Die hochgelobten skandinanavischen oder amerikanischen Splatterthriller können mir im Vergleich dazu gestohlen bleiben.

Wie kommst du auf deine Ideen?

Ideen zu finden ist eigentlich einfach. Die ganze Welt ist voller Ideen, manche springen einen unvermittelt an, andere brauchen Zeit, zu reifen. Die Idee zu dem ersten Krimi keimte während einer Diskussion über Antikenhandel und Hehlerei bei Facebook. Das Thema ist sehr spannend und ich wusste sofort, dass ich darüber schreiben wollte. Die Idee zu dem zweiten Band hatte ich sogar schon bevor ich mit dem ersten angefangen habe. Sie entstand, während ich „Wer Wind säht“, von Nele Neuhaus gelesen habe – ein Buch, das mir nur in einem Punkt gefallen hat, nämlich dass die, die man als die „Guten“ einstuft, in Wahrheit „böse“ sind. Dieses Spiel mit Lesererwartungen beherrscht auch Jeffery Deaver (den ich übrigens sehr schätze) ganz ausgezeichnet. Während ich „Wer Wind säht“ las, wurde mir allmählich zwei Dinge klar, nämlich dass ich sowas auch schreiben will und das auf diesem Niveau auch kann, wenn nicht sogar besser.

Die viel größere Herausforderung besteht darin, aus einer Idee eine Geschichte zu machen. Das war mit der zweiten Idee – also dem Krimi über Antikenhandel und -hehlerei – viel leichter, schon weil das Thema konkreter ist als: „Ich will ein Buch schreiben, in dem unsere Kategorien von gut und böse in Frage gestellt werden“. Trotzdem ist natürlich auch das erste Buch voller Finten und falscher Spuren, die erst mal konstruiert werden mussten. Aber die ergaben sich ziemlich geradlinig aus der Person des Opfers. Das war beim zweiten Buch schon deutlich schwieriger, aber auch da hatte ich am Ende noch Ideen über.

Vielleicht greife ich die eine oder andere im dritten Band auf. Dafür fehlt mir bisher aber noch die Geschichte.