Ideen

April Challenge (Tag 24): Meine Muse

Jetzt hätte ich zu gerne das Bild eines spärlich bekleideten, hübschen Jünglings gepostet – aber er will nicht, sondern hat sich hinter die Bücherreihe im dritten Bord des Bücherregals verzogen und schmollt. Gelegentlich kommt kurz das blondgelockte Köpfchen zum Vorschein, aber wehe, ich wage es, in seine Richtung zu sehen oder ihn gar anzusprechen: Dann funkelt er mich böse an, streckt mir die Zunge raus und verschwindet wieder. Jetzt gerade, wo ich das schreibe, hat er mir sogar den Mittelfinger gezeigt.

Zu schade! Heute ist er wirklich nämlich sehr ansehnlich. Zu anderen Zeiten erscheint er mir als bocksbeiniger Alter oder als dralle Trulle, die mir ihre Möpse entgegenstreckt und kreischt: „Darüber solltest du schreiben!“ Danke auch! Immerhin hat der ziegenbeinige Alte noch nie … Besser nicht drüber nachdenken.

Alleine bin ich jedenfalls selten. Manchmal bringt der Knabe – oder was immer er, sie oder ist – auch Freunde oder Verwandte mit, dann feiern wir gemeinsam. Die Bande tobt durch die Regale, tanzt und schnattert Unsinn – und ich sehe zu, schütte viel zu viel Whisky, Rotwein oder was sonst so da ist in mich rein und lache mich kringelig.
Der Schädel am nächsten Morgen ist zwar meist nicht so schön, aber zwei/drei Ideen bleiben immer in der Luft hängen und warten nur darauf gepflückt zu werden.

Jetzt kennst du meine Muse. Und deine so?

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April Challenge (Tag 17) Mein Notizbuch

Wer jetzt auf stimmungsvolle Bilder hofft, wird leider enttäuscht werden: Mein Notizbuch ist eine schlichte Angelegenheit in DIN A5, außen schwarz, innen kariert. Das liegt zum Einen daran, dass ich fast immer mein Notebook dabei habe und Notizen dann eben gleich damit arbeite. Erfahrungsgemäß komme ich aber mit einer einzigen Kladde besser zurecht.

Früher hatte ich mal die Idee, für jedes Projekt ein neues Notizbuch anzulegen und habe entsprechend viele angeschafft; darunter sehr schöne, mit bunten, aufwendig gestalteten Covern, Seitenzahlen, Register usw. Ich fühlte mich dabei gleichermaßen professionell und ästhetisch und die Idee war vielleicht sogar gut – aber das Ergebnis war Chaos.
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich kann in einem schön gestalteten Notizbuch nicht einfach rumschmieren. Ein ästhetisches Cover schreit geradezu nach einen angemessen ästhetischen Inhalt. Die Seiten mit hastig hingeklierten Notizen zu füllen, kommt einem Sakrileg gleich. Es ist, als würde man das Buch besudeln. Andererseits ist so ein Gedanke ein ziemlich flüchtiges Ding und längst entfleucht, bevor ich ihn in Schönschrift einfangen kann.
Außerdem halten sich meine Ideen selten an meine Schreibpläne und so hatte ich meist die falsche Kladde dabei. Was macht man in so einem Fall? Genau, man schreibt sie entweder in ein eigens dafür neu gekauftes Notizbuch oder in das, was man gerade dabei hat. Aber egal, was man macht, am Ende hat man viele, halbvoll geschriebene Notizbücher zu einem Sammelsurium von Themen und sucht sich tot, wenn man eine bestimmte Notiz braucht.

Mir ging es jedenfalls so und deswegen habe ich jetzt genau eine Kladde, die so unscheinbar ist, dass es mir überhaupt nichts ausmacht, darin rumzuschmieren und in der ich wirklich ALLES notiere: Stichpunkte aus Elternabenden und Lehrergesprächen, Rezepte, To Does, Telefonnummern, Ideen für Geschichten, Blogbeiträge oder Fachartikel, Skizzen von oder für irgendwas … Eben alles. Was übertragen ist oder aus anderen Gründen nicht mehr gebraucht wird, wird durchgestrichen.
Tatsächlich habe ich trotzdem eine sehr innige Beziehung zu diesem Notizbuch. Es ist ein bisschen, wie ein altes, abgetragenes Nachthemd: vertraut, geliebt und in gewisser Weise auch tröstlich – aber nichts, was man öffentlich vorzeigt.

April Challenge: Warum ich schreibe

Klingt es arrogant, wenn ich sage: „Weil ich es kann und hoffe, damit irgendwann Geld zu verdienen“?
Egal, es stimmt. Es stimmt sogar in doppelter Hinsicht. Tatsächlich ist Schreiben eine der Tätigkeiten, die in meiner Situation drin sind. Meinen Beruf werde ich aus familiären Gründen nicht mehr ausüben können. Aus dem gleichen Grund kann ich auch nirgendwo als Angestellte arbeiten. Aber als Schriftstellerin hätte ich die Flexibilität, die ich brauche.
Das nötige Talent ist mir schon mehrfach bescheinigt worden. Nicht von der Familie, die frage ich bei sowas gar nicht erst, sondern von Leuten, wie Titus Müller oder André Hille, die was davon verstehen sollten und die kein Interesse haben, mir zu schmeicheln.

Andererseits kommt die Antwort: „Weil es Spaß macht“ vielleicht sympathischer rüber und wäre genauso richtig. Geschichten zu erfinden, heißt immer auch ein bisschen Gott zu spielen. Und Hand auf’s Herz: Wer malt sich die Welt nicht gelegentlich bunter und aufregender, als sie tatsächlich ist. In meinen Geschichten kann ich die Guten belohnen und die Bösen bestrafen, wenn mir danach ist. Ich kann Orte betreten, die mir in der Realität verschlossen sind und sogar Zeit und Raum manipulieren.
Ja, es ist anstrengend, aus diesen Phantasien eine gute Geschichte zu destillieren und die dann auch noch gut zu erzählen. Aber der Aufwand lohnt!

Wie wäre es mit einem Serientäter?

In meinem nächsten Roman werden sich meine Kommissare wohl mit einem Serientäter beschäftigen müssen. Die Idee dazu kam mir vorhin beim Zähne putzen – fragt mich bitte nicht, warum ausgerechnet dabei. Mit Zähnen, fiesen Zahnärzten oder Problemen der Mundhygiene wird die Geschichte so weit ich bisher sehen kann, jedenfalls nichts zu tun haben.

Genau genommen habe ich bisher auch nur eine Idee vom Anfangssetting und einen Grund, dass KK Jana Hirte, die im Betrugsdezernat arbeitet und mit Leichen absolut nichts zu tun haben will, sich nun schon wieder in eine Mordermittlung hineinziehen lässt.

Schreibtipp: Vergiss Schreibtipps, wenn du schreibst!

Zugegeben: Das klingt erst mal widersinnig. Es wird aber logisch, wenn man die Abschnitte des Schreibprozesses betrachtet.

  1. Zunächst mal braucht man eine Idee. Es folgen Recherche und weitere Beschäftigung mit dem Thema, bis man die Idee entweder verwirft oder für brauchbar erklärt.
  2. Plotter legen jetzt einen Zwischenschritt für die Planung ein, Pantser gehen gleich zum Punkt 3 über.
  3. Das eigentliche Schreiben. Angefangen beim ersten Wort bis hin zum Ende.
  4. Die Rohfassung wird überarbeitet.
  5. – wievielauchimmer sind weitere Überarbeitungen.

Schreibtipps nutzen bei den Punkten 2, 4, 5 usw. Für Plotter ist es natürlich sinnvoll, nach Dreiaktmodell, 7 – Punkte-Methode, 8er Bogenmodell, Heldenreise oder was auch immer einem am meisten liegt, zu planen, Plot- und Wendepunkte festzulegen, Spannungsbögen aufzubauen, Charaktereigenschaften festzulegen und, und, und.
Genauso ist es auch beim Überarbeiten. Natürlich sollte man da darauf achten, ob der 1. Wendepunkt etwa bei einem Drittel liegt, ob die Charaktere sich so verhalten, wie sie sollen, ob Dialoge natürlich wirken und ob sich der Text mit Adjektivitis infiziert hat.

Aber bei Punkt 3, beim Schreiben selbst darf man das alles getrost vergessen. Alles, was beim Schreiben zählt, ist das Schreiben auf das Ziel zu. Erst, wenn man das erreicht hat, darf man sich wieder an die ganzen Tipps und Regeln erinnern.
Das ist gemeint, wenn manchmal empfohlen wird, den inneren Lektor beim Schreiben wegzusperren.

Und noch ein Tipp: Gönnt euch einen Prosecco, einen Whisky oder was auch immer euer Lieblingsgetränk für besondere Anlässe ist und gratuliert euch selber zum Erfolg. Eine Geschichte, besonders einen Roman zuende zu schreiben, ist nämlich eine wirkliche Leistung!

P.S.: Diesen Schreibtipp solltest Du natürlich nicht vergessen.

Wie kommst du auf deine Ideen?

Ideen zu finden ist eigentlich einfach. Die ganze Welt ist voller Ideen, manche springen einen unvermittelt an, andere brauchen Zeit, zu reifen. Die Idee zu dem ersten Krimi keimte während einer Diskussion über Antikenhandel und Hehlerei bei Facebook. Das Thema ist sehr spannend und ich wusste sofort, dass ich darüber schreiben wollte. Die Idee zu dem zweiten Band hatte ich sogar schon bevor ich mit dem ersten angefangen habe. Sie entstand, während ich „Wer Wind säht“, von Nele Neuhaus gelesen habe – ein Buch, das mir nur in einem Punkt gefallen hat, nämlich dass die, die man als die „Guten“ einstuft, in Wahrheit „böse“ sind. Dieses Spiel mit Lesererwartungen beherrscht auch Jeffery Deaver (den ich übrigens sehr schätze) ganz ausgezeichnet. Während ich „Wer Wind säht“ las, wurde mir allmählich zwei Dinge klar, nämlich dass ich sowas auch schreiben will und das auf diesem Niveau auch kann, wenn nicht sogar besser.

Die viel größere Herausforderung besteht darin, aus einer Idee eine Geschichte zu machen. Das war mit der zweiten Idee – also dem Krimi über Antikenhandel und -hehlerei – viel leichter, schon weil das Thema konkreter ist als: „Ich will ein Buch schreiben, in dem unsere Kategorien von gut und böse in Frage gestellt werden“. Trotzdem ist natürlich auch das erste Buch voller Finten und falscher Spuren, die erst mal konstruiert werden mussten. Aber die ergaben sich ziemlich geradlinig aus der Person des Opfers. Das war beim zweiten Buch schon deutlich schwieriger, aber auch da hatte ich am Ende noch Ideen über.

Vielleicht greife ich die eine oder andere im dritten Band auf. Dafür fehlt mir bisher aber noch die Geschichte.

Schreibtipp: Einfälle notieren

In Schreibratgebern wird oft empfohlen, immer Notizblock und Stift dabei zu haben, um spontane Ideen und Einfälle festzuhalten.

Ich verwende dafür die Recorder App auf meinem Handy. Das habe ich sowieso dabei. Daher erspart diese Methode zusätzliches Gewicht durch den Block und Ärger mit verlorenen Stiften oder leeren Minen.