Protagonisten

April Challenge (Tag 12): Meine Lieblingshelden

Jetzt beginnen die kniffeligen Fragen bei Kate Starks #aprilcampwritingchallenge. Der Lieblingsheld, bzw. die Lieblingsheldin, du liebes Bisschen! und dann darf man vermutlich auch nicht die eigenen Protagonisten nennen, denn dass ich die ganz toll finde, ist ja wohl klar.

April-Challenge

Fragen der April-Challenge von Kate Stark

Nicht, dass nicht auch andere SchriftstellerInnen ganz wunderbare Hauptfiguren erschaffen haben. Das Problem ist eher, dass mir gleich ein Dutzend einfällt. V. I Warshawski z. B. die italienisch/jüdisch-polnisch/katholische Privatdetektivin aus den Romanen von Sara Paretsky. Der erste weibliche privat dick, der genauso ein hardboiled badass ist, wie Sam Spade oder Philipp Marlowe. Ich verschlinge jeden Roman mit ihr und finde sie meistens großartig, obwohl sie mit der Zeit etwas weicher geworden ist. Genauso mag ich ihr Frankfurter Gegenstück, Kemal Kayankaya von Jakob Arjouni, aber auch Daenaerys Targaryen, obwohl die gar nicht so badass ist, sondern eigentlich sogar sehr lieb – jedenfalls ihren Freunden gegenüber. Und natürlich (um bei GoT zu bleiben), den Krüppel, Tyrion Lennister. Außerdem Gerald von Riva (Der Hexer), Kvothe aus der Königsmördertrilogie, deren dritter Teil leider immer noch auf sich warten lässt und, um wieder zum Krimi/Thriller zurück zu kommen: Jinx Kingsley aus „Dunkle Kammern“ (Minette Walters) und natürlich Lisbeth Salander aus der Millenium Trilogie (vor allem in den ersten 2 Bänden). Bei den Klassikern natürlich allen voran Jane Eyre, aber auch Hagen von Tronje (nicht der Opernfinsterling, sondern der aus der Sage selbst, der die Katastrophe von Anfang an vorausgesehen und versucht hat, gegenzusteuern – und das Ende schließlich genauso bewusst beschleunigt hat).

Alles Typen, die irgendwo einen Knacks weghaben, die oft reichlich auf’s Maul kriegen und trotzdem nicht aufgeben. Und die – bei allem zur Schau getragenen Zynismus – integer bleiben.

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April Challenge (Tag 7) – Die Protagonisten übernehmen

Genau genommen lautet die Aufgabe der Challenge von Kate Stark : „The Protagonist takes over“, aber da ich ja mit mehreren Protagonisten arbeite, habe ich mir erlaubt, den Titel entsprechend zu ändern.

Mein Dream-Team aus Jana Hirte, KK Alexandra Obritz und KHK Thomas Friedensbach habe ich hier schon kurz vorgestellt. Viel Neues kann ich über sie nicht erzählen. Es deshalb bei dem Link zu belassen, wäre aber blöd. Den Inhalt einfach zu wiederholen auch. Deshalb stelle ich sie noch einmal mit einer kurzen Leseprobe aus der aktuellen Version des Romans vor. Wie man (hoffentlich unschwer) erkennt, ist es ihr erstes Zusammentreffen. Jana ist vor Beginn ihres studienbegleitenden Praktikums im Präsidium vorbeigekommen, um sich vorzustellen. KHK Friedensbach hat sie herumgeführt. Zum Abschluss der Tour zeigt er ihr das Büro:

Der Raum wäre mit zwei Schreibtischen schon gut gefüllt gewesen. Statt dessen standen drei darin. Außerdem Aktenschränke, mehrere Regale und eine Art Sideboard, auf dem eine Kaffeemaschine thronte.
Jana wollte gerade fragen, für wen der dritte Schreibtisch war, als eine riesige Frau in Rot hereinstürmte. Lederjacke, Hose, Lippenstift – selbst die stoppeligen Haare waren knallrot. Die einzigen andersfarbigen Kleidungsstücke waren kniehohe schwarze Bikerstiefel und schwarze, nietenbesetzte Lederhandschuhe, deren Stulpen fast bis an die Ellenbogen reichten. Fehlte nur die Peitsche. Jana war sich sicher, die Inhaberin eines Dominastudios vor sich zu haben, bis Friedensbach den Irrtum aufklärte und die Frau in Rot als seine Kollegin vorstellte und hinzufügte: »Frau Obritz wird ihre Haupt-Ansprechpartnerin sein, weil ich mich zusätzlich auch um Verwaltungsfragen kümmern muss.«
»Du kannst mich Alexandra nennen«, sagte die Rothaarige. »Ich bin nicht so förmlich.«
Jana war so überwältigt von dieser Erscheinung, dass sie die ausgestreckte Hand übersah und spontan fragte: »Laufen Sie immer so rum?«
Der Blick hätte Beton zum Schmelzen gebracht. Er verwandelte Janas Magen in einen Feuerball, dessen Hitze noch Hals und Wangen in Flammen aufgehen ließ. Sie hätte sich nicht gewundert, wenn die Decke aufgerissen und als glühender Hagel herabgeprasselt wäre. Mit trockenem Mund stammelte sie eine Entschuldigung, was die Sache natürlich kein bisschen besser machte, denn jetzt klang sie, wie ein kleines Mädchen, das aus der Keksdose genascht hatte. Ein Wurm, den die Titanin unter ihrem Stiefelabsatz zertreten würde. Schließlich war es KHK Friedensbach, der die Situation irgendwie rettete, und die Rothaarige antwortete, nun beinahe freundlich, sie habe immer Schuhe und Anzug zum Wechseln im Büro. Diese Sachen trage sie nur auf dem Motorrad.

 

April Challenge: Woran ich arbeite

Heute beginnt die von Kate Stark ins Leben gerufene #aprilcampwritingchallenge, die ich im letzten Beitrag ja schon kurz vorgestellt hatte. Die erste Aufgabe lautet: Your WIP, besteht also darin, das aktuelle Projekt vorzustellen.

Bei mir ist das ein Krimi über Antikenhehlerei, den ich letztes Jahr um Pfingsten rum beendet habe und der jetzt dementsprechend gut abgehangen ist. Das Manuskript besteht aktuell aus 279 Seiten und muss von Grund auf überarbeitet werden. Beim Korrekturlesen habe ich mir notiert, dass folgende Änderungen unbedingt notwendig sind:

  • Zwei neue Erzählperspektiven einführen, so dass die Geschichte aus drei, wie bisher aus einer Perspektive erzählt wird und alle drei Ermittler zu Wort kommen.
  • Eine Nebenhandlung streichen, die weder für den Plot, noch zum Verständnis der Protagonisten erforderlich ist.
  • Das Verhalten der Ermittler schlüssiger gestalten. Bisher agieren die oft noch sehr wechselhaft und daher wenig nachvollziehbar.
  • Die Ermittler sollen mehr Privatleben bekommen. Das gilt insbesondere, für meinen Hauptcharakter, Kriminalanwärterin Jana Hirte.
  • Die Handlung zwei Wochen vorverlegen, damit der Beginn der Handlung zu Janas Studiumszeiten passt.
  • Die einzelnen Szenen neu gewichten und in eine andere Reihenfolge bringen. Beim Plotten hatte ich zwar eine sehr genaue Vorstellung davon, warum was in welcher Reihenfolge passiert – diese Logik erschließt sich beim Lesen aber nicht.
  • Nicht zuletzt sind natürlich sind auch ein paar Plotlöcher aufgetaucht, die ausgefüllt werden müssen. Und wie das dann so ist, hat das Ausfüllen Auswirkungen auf den Rest der Handlung, so dass auch dadurch noch ein paar Sachen glattgezogen werden müssen.

Tja, ist eine Menge Arbeit. Aber in gewisser Weise freue ich mich drauf.

 

Let’s talk about Sex

Sex sells, heißt es. Und natürlich haben meine Protagonisten Sex. Dass er trotzdem in meinen Büchern vergleichsweise wenig Raum einnimmt, liegt aber nicht nur daran, dass ich es schwierig finde, Sexszenen zu schreiben.
Ich habe beim Schreiben von Sexszenen immer das Gefühl eines Balanceakts, bei dem man sich vorsichtig auf dem schmalen Grat zwischen unfreiwilliger, oft grotesker Komik und rein mechanischen Beschreibungen vorantastet, während über einem das große, allesverschlingende Klischee lauert. Gruselig!

Der wesentliche Grund ist aber, dass für mich Partnerschaft und Sex nur eine Spielart menschlicher Beziehungen sind. Deshalb sehe ich auch gar keinen Grund, jeder Figur auch einen Love Interest mitzugeben.
Als Folge haben meine Protagonisten im ersten Band schlicht Anderes zu tun haben, als ständig darüber nachzudenken, wann, wo und mit wem sie die nächste Nummer schieben wollen und ihre privaten Beziehungen sind vergleichsweise unspektakulär. Natürlich beeinflusst ein Streit mit dem Partner die Arbeit. Aber das ist eher die Ausnahme und Jana, die im ersten Band (noch) solo ist, lebt sowieso ihr halbes Leben online. Als sich die Möglichkeit einer Beziehung anbahnt, ist das für sie erst Mal eine zusätzliche Belastung.
Im zweiten Band ändert sich das zugegebenermaßen, was aber mit dem Plot zu tun hat, der ohne diese Nebenhandlung willkürlich wirken würde.

Überarbeiten ja, aber wie?

Das Überarbeiten von Texten ist ein Dauerthema für jeden, der sich ernsthaft mit dem Schreiben beschäftigt und entsprechend viele Anleitungen dazu gibt es. Dabei scheint weitgehende Einigkeit zu bestehen, dass man einen Text vor allem kürzen muss, damit er gut wird. Dem möchte ich im Folgenden ein bisschen widersprechen:

Eine Geschichte ist kein englischer Rasen, bei dem man allen Wildwuchs ausmerzen und alle Grashalme auf die gleiche Länge trimmen muss, damit er gut aussieht. Eher ist sie ein englischer Park, mit alten Bäumen, gewundenen Wegen und vielleicht einem versteckten See – um bei den gärtnerischen Vergleichen zu bleiben. Das Idealbild eines solchen Parks ist, dass alles ganz natürlich wirkt. Dabei beruht er auf genauer Planung. Jeder Weg, jede Blickachse ist vorab geplant, Bäume sind gezielt gepflanzt oder gerodet worden, der See vermutlich eigens ausgehoben und die malerische Ruine war nie intakt, sondern wurde bereits als Ruine gebaut.
Was der Landschaftsarchitekt bei der Anlage jedoch berücksichtigt, sind die natürlichen Gegebenheiten. Er sieht sich vorher um, macht sich mit dem Gelände vertraut, überlegt, welche Landschaftsmarken erhalten und betont werden sollten, wo etwas weggenommen und wo hinzugefügt werden muss.

Ähnlich sollte man meines Erachtens auch beim Überarbeiten von Manuskripten vorgehen. Also das Ding erst Mal lesen und sich Gedanken machen, was die Kernaussagen sind, wo die Handlung ins Klischee abgleitet und ob es irgendwelche Plotlöcher oder Brüche gibt, bevor man irgendetwas ändert. Danach macht man sich an die Planung zu konkreten Änderungen.
Auch wenn man kein Freund des Plottens ist, ist es spätestens jetzt sinnvoll, sich Notizen zu den einzelnen Szenen, den darin vorkommenden Personen und Orten zu machen und diese mit einem Zeitstrahl zu verbinden. Gerade bei komplexen Handlungen vermeidet man dadurch, dass eine Person, die eben noch in Stuttgart war, plötzlich in Detroit auftaucht, oder dass ein Nebencharakter mehr (oder wichtigere) Handlungsanteile hat, als der Protagonist.

Bei mir ergibt dieser Bearbeitungsschritt in der Regel nicht, dass gekürzt werden muss, sondern die Kernaussagen durch Handlung und/oder Beschreibung verstärkt werden müssen. Ich schreibe sehr gedrängt. Ausufernde Beschreibungen und Charakterisierungen sind nicht mein Ding, so dass der erste Entwurf oft noch skizzenhaft wirkt. Da heißt es dann nicht kürzen, sondern auffüllen. Das Gleiche gilt natürlich für Plotlöcher. Auch die werden nur durch Zufügungen kleiner.
Wenn das getan ist, lasse ich das Manuskript wieder für ein paar Wochen liegen und lese es ein zweites Mal auf Stimmigkeit. Den Prozess wiederhole ich so lange, bis ich im Wesentlichen zufrieden bin. Erst dann geht es an Details, wie das Kürzen von Bandwurmsätzen und das Ausrotten nichtssagender Adjektive.

Werkstattbericht: Grundgedanken zum Überarbeiten

Der Entwurf für den ersten Band meiner Frankfurt Krimis ist jetzt gut abgehangen; alles Herzblut ist rausgetropft. Mit anderen Worten: Er ist mir fremd geworden und damit reif für die Überarbeitung.

In der Zwischenzeit ist mir klar geworden, dass zwei Dinge in jedem Fall geändert, oder genauer gesagt: ausgebaut werden müssen: Das sind die Erzählperspektive und die Beschreibungen.

Ich habe diesen Band lediglich aus der Perspektive der Kriminalanwärterin Jana Hirte erzählt, die im Rahmen ihres letzten Praktikums frisch ins Morddezernat gekommen ist und erst seit kurzem in Frankfurt lebt. Für sie ist also alles neu. Für mich hatte das beim Schreiben den Vorteil, sie auch „dumme“ Fragen stellen lassen zu können, ohne sie als dumm darzustellen.  Beim Schreiben des zweiten Bandes habe ich allerdings gemerkt, dass mir das auch viele Möglichkeiten nimmt.
Im zweiten Band verwende ich drei Perspektiven, entsprechend der Zahl der Protagonisten. Dadurch ist es nicht nur viel besser möglich, verschiedene Meinungen und Blickwinkel wiederzugeben, die Geschichte gewinnt auch mehr Dynamik. Deshalb werde ich den ersten Band so umarbeiten, dass auch die Sichtweise der beiden anderen Protagonisten, Kriminalkommissarin Alexandra Obritz und Kriminalhauptkommissar Thomas Friedensbach deutlicher berücksichtigt wird (und nicht nur aus der Wahrnehmung von Jana Hirte). Das heißt möglicherweise auch, dass ich zusätzliche Handlungsstränge einflechten und verstärkt auf das Privatleben der beiden anderen eingehen kann.
 
Indem ich die Erzählperspektive ändere, muss ich logischerweise auch die Beschreibungen anpassen. Für eine gestandene Kriminalbeamtin ist der Anblick einer Leiche nun einmal etwas anderes, als für den Frischling. Männer reagieren auf den Anblick einer Frau in knappem Rock und Pumps anders als Frauen. Friedensbach ist da keine Ausnahme.
Aber abgesehen davon, muss ich die Beschreibungen auch generell auffüttern. Oft begnüge ich mich nämlich mit zwei bis drei Sätzen, um nicht ins Schwafeln zu geraten und langweilig zu werden. Das stimmt zwar mit dem Grundsatz überein, der einem in jedem Schreibratgeber eingebläut wird, nämlich lieber das sprechende Detail zu suchen, als sich in Einzelheiten zu verlieren. Aber nicht immer gibt es das eine Detail, das für das große Ganze steht und in diesen Fällen braucht es mehr Worte, um ein Bild entstehen zu lassen.