Familie

Der Kommissar, der kein Blut sehen kann

In den letzten zwei Tagen hat auch KHK Thomas Friedensbach einen familiären Hintergrund bekommen. Keinen schönen. Ich hätte jemandem wie ihm wirklich besseres gegönnt, aber jetzt ist mir auch klar, warum er ausgerechnet im Morddezernat arbeitet (und da auch nicht weg will), obwohl er kein Blut sehen kann und warum er ständig alles hinterfragt.

Außerdem spukt jetzt eine Kurzgeschichte in meinem Hirn. Wenn die nicht bald Ruhe gibt, werde ich die wohl auch schreiben müssen, obwohl ich eigentlich gar keine Zeit dafür habe und mich um ganz andere Dinge kümmern sollte.

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April Challenge (Tag 11): Wo ich schreibe

Mein Schreibtisch steht im Wohnzimmer. Genau genommen ist es kein Schreibtisch, sondern ein Couchtisch. Aber ich sitze beim Schreiben auch auf dem Sofa und nicht in einem Bürodrehstuhldings. Sehr unergonomisch, ich weiß. Aber praktisch! Die Bücherregale sind nur ein paar Schritte entfernt, die Couch hat Fächer, in denen sich noch mehr Bücher und Kladden unterbringen lassen und als Ordnerablage bietet sich das Sofa an. Da muss man sich nicht mal bücken, wenn man was nachschlagen will.
In die Küche ist es auch nur unwesentlich weiter, als zum Bücherregal. Kaffee- und Teeversorgung läuft also auch.

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Einziger Nachteil: Es kann schon mal laut werden. Wenn Mann und Kinder da sind, die Kinder vielleicht auch noch Besuch von Freunden haben und lautstark diskutiert wird, ob jetzt XBox oder Wii oder doch lieber Fernsehen – dann tost hier das Leben. Aber so richtig schlimm kann ich das auch wieder nicht finden.

Werkstattberichte: Wie suchst du deine Betaleser aus?

Auf Twitter hatte ich gefragt, worüber ich mal bloggen sollte und „Wie suchst du deine Betaleser aus“, war eine der ersten Fragen, die gestellt wurden.
Die einfachste Antwort wäre natürlich: Sehr sorgfältig. Aber das wäre sowohl der Fragestellerin gegenüber unfair, als auch der Bedeutung von Betalesern unangemessen.

Um es vorweg zu sagen: gute Betaleser sind Gold wert! Haltet sie euch auf jeden Fall warm.

Welche Eigenschaften sollte ein Betaleser mitbringen?

Grundsätzlich kann man natürlich jeden zum Betaleser machen, der sich dazu bereit erklärt. Ich halte das allerdings nicht für sinnvoll. Sinn hat das Ganze nur, wenn es einem hilft, sich zu verbessern und da sind für mich drei Dinge entscheidend:

  1. Zuerst einmal muss ein Betaleser etwas vom Genre verstehen, in dem ich unterwegs bin. Damit scheidet die Hälfte meiner Familie sofort aus. Meine Mutter z. B. lehnt Krimis per se ab, mein Vater liest wenn es hoch kommt ein Buch im Jahr und mein Mann ist zwar Vielleser – liest aber ausschließlich Fach- und Sachbücher.
  2. Der zweite Punkt ist deutlich schwieriger zu beschreiben. Er betrifft das persönliche Verhältnis zum Betaleser: Nichts spricht gegen Freundschaft, aber wichtiger ist gegenseitiger Respekt. Wenn man lange und intensiv an einem Text gearbeitet hat, wird man irgendwann blind für dessen Schwächen. Man liebt seine Figuren, ist hingerissen von der Handlung und übersieht Plotlöcher, in denen ganze Eisenbahnzüge verschwinden können. Dann kommt der Betaleser. Ich gehe davon aus, dass sich niemand als Betaleser anbietet, weil er dem Autor Böses will und seine Kritik möglichst sachlich äußert. Daher gibt es drei mögliche Szenarien:
    Der Betaleser sieht die Schwächen und schweigt aus Höflichkeit, weil er den Autor nicht verletzen will. Das gibt Feedbacks wie: „Ja, wirklich schönes Buch, habe mich gut unterhalten gefühlt. Wirklich sehr nett.“ Artiges Wischi-Waschi, das vielleicht das Ego streichelt, einen als Autor aber nicht voran bringt und den Text kein Stück besser macht.
    Das zweite Szenario ist genauso schlimm: Der Betaleser sagt, was ihm nicht gefallen hat und wo er Probleme sieht und das Ganze rutscht auf eine persönliche Schiene. Der Autor fühlt sich angegriffen und verteidigt sein Werk: „Hey, aber er muss sie doch innig küssen, obwohl sie 20 Minuten vorher gekotzt und danach mit einem Glas Rotwein gegurgelt hat.  Ich brauche doch eine Liebesszene, bevor er sie im nächsten Kapitel verlässt. Außerdem spielt er ihr doch nur vor, dass er sie liebt …“ Ich gestehe, dass sich mir bei manchen Kritiken auch die Stacheln hochstellen, aber ganz schlimm wird es immer, wenn noch persönliche Beziehungen mit ins Spiel kommen. Deshalb scheiden für mich auch alle die als Betaleser aus, bei denen ich von vornherein weiß, dass ich dazu neige, ihre Kritik persönlich zu nehmen. Meine Schwester ist so ein Fall. Wir mögen uns sehr, aber jede inhaltliche Uneinigkeit rutscht unweigerlich irgendwann ins persönliche ab. Das muss man sich und dem anderen nicht antun. Außerdem bringt es einen als Autor auch nicht weiter.
    Optimal ist das dritte Szenario, bei dem Autor und Betaleser mit respektvoller, professioneller Distanz auf einander reagieren. Das heißt, dass der Betaleser offen und ehrlich seine Meinung sagt und der Autor sie als wertvolle Information auffassen kann.
  3. Als drittes muss ein Betaleser sorgfältig sein. Damit meine ich weder ein Lektorat, noch ein Korrektorat, sondern Hinweise auf inhaltliche Widersprüche oder andere Unstimmigkeiten. „Meinst du wirklich, dass sich deine Kommissare noch darüber unterhalten, wie unangenehm es ist, Angehörigen die Todesnachricht zu überbringen?“, ist eine sehr berechtigte Frage. Das Gleiche gilt für: „Alex Kopfschmerztabletten – einmal drei, einmal zwei Tabletten? Gewohnheitsmäßig würde ich denken, dass man immer die gleiche Anzahl schluckt, oder?“ Aber wenn ein Testleser fragt, woher jemand weiß, „dass die von der Polizei sind“, obwohl im Satz davor steht: „Nachdem Friedensbach sie vorgestellt hatte … (Friedensbach ist KHK und in Begleitung von zwei weiteren Kripobeamten), dann glaube zumindest ich nicht, dass der Fehler bei mir liegt.

Wie findest du die richtigen Betaleser

Nachdem ich gerade so viel über wünschenswerte Fähigkeiten und Ausschlusskriterien geschrieben habe, muss ich gestehen, meine Betaleser ganz einfach zu finden: Über Versuch und Irrtum. Natürlich habe ich meine Texte zuerst allen Freunden gegeben, die bereit waren, sie zu lesen und zu kommentieren. Außerdem war ich einige Zeit in Autorenforen unterwegs und habe von da auch einige Kontakte mitgenommen. Vor allem habe ich aber das unschätzbare Glück, dass eine gute Freundin nicht nur begeisterte Krimileserin ist, sondern auch Journalistin und ebenfalls Schriftstellerin, wenn auch in einem anderen Genre. Der Austausch mit ihr ist ungemein hilfreich und ihrem Urteil vertraue ich nahezu blind. Sie ist im Ernstfall, wenn die Meinungen zu einer Szene oder Textpassage auseinander gehen, nicht nur Zünglein an der Waage, sondern ein Schwergewicht in der Waagschale. Dafür an dieser Stelle ganz herzlichen Dank, Doro (falls du es lesen solltest). Es ist immer eine Freude, mit dir zusammen zu arbeiten.
Aber es ist nicht so, dass meine Testleser ein illustrer, geschlossener Kreis wären. Wenn ich merke, dass jemand gerne möchte und das Gefühl habe, es könnte passen, dann frage ich auch.